19 Jan 2017

Mythos und Realität – Die Rechtsmedizin

Ca. 200 Hörer fanden sich im Brose-Hörsaal ein, um einen Vortrag von Prof. Bohnert über sein Fachgebiet, der Rechtsmedizin zu folgen. Der von der katholischen Studentenverbindung Franco-Raetia organisierte akademische Abend klärte auf, was in der Rechtsmedizin wirklich geschieht und was eher in das Reich der Legenden gehört.

Die meisten Menschen haben, zu ihrem Glück, weder privat, noch beruflich mit einem Rechtsmediziner zu tun gehabt, so Prof. Bohnert. Viele haben durch die Rolle des Professors Dr. Karl-Friedrich Boerne, Hauptfigur des Münsteraner Tatortes, ein eher verzehrtes, fast schon romantisches Bild über die Aufgaben eines Rechtsmediziners. Oft genug komme es zu Verwechselungen mit Pathologen, genauso wie mit pseudowissenschaftlichen Behauptungen.

Um dem vorzugreifen hat Prof. Michael Bohnert, Ordinarius für Gerichtliche und Soziale Medizin und Vorstand des Instituts für Rechtsmedizin an der Universität Würzburg, zuerst Fakten präsentiert. Die Rechtsmedizin umfasst die Entwicklung, Anwendung und Beurteilung naturwissenschaftlicher Kenntnisse für die Rechtspflege, während die Pathologie sich mit krankhaften und abnormen Vorgängen und Zuständen im Körper sowie mit deren Ursachen beschäftigt. Rechtsmediziner sind Sachverständige der Polizei für ihr eigenes Fachgebiet, genauso wie Chemiker, Physiker, Psychologen oder Ingenieure als Experten zu Rate gezogen werden können.

Wie wichtig eine wissenschaftliche Beurteilung eines Kriminalfalls ist, zeigt das Beispiel einer fiktiven, weltberühmten Person. Sherlock Holmes, der Meisterdetektiv im England des viktorianischen Zeitalters, löste die Fälle mit wissenschaftlicher Genauigkeit, detailgetreuen Beobachtung und einer neuartigen forensischen Arbeitsmethode. Die Hintergründe der Figur sind vielen unbekannt: Sir Arthur Conan Doyle, Autor der Holmes-Abenteuer, verfolgte mit seinen Romanen auch das Ziel, die deduktive und kriminalanalytische Methode in einer bis dahin mittelalterlich wirkenden Polizeiarbeit zu verankern. So hat sich die Rechtsmedizin als eigenständige Fachdisziplin erst seit dem 18. Jahrhundert entwickelt. Die ersten Vorlesungen in der Gerichtsmedizin wurden durch den Hofrat Johann Kaspar Gutberlet an der Universität Würzburg gehalten. In der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts wurden die erste rechtsmedizinischen Institute gegründet, wie im bayerischen München, Erlangen und eben auch in Würzburg.

Trotz der wissenschaftlichen Auseinandersetzung mit ungeklärten Todesursachen, haben sich in den manch Mythen tief in die Vorstellung des Otto-Normalverbrauchers eingebrannt. Sei es etwas Unglaubliches wie Vampire, Selbstentzündung, ein vermeintliches Leichengift oder etwas durch die Filmindustrie Propagiertes wie eine schnelle Todesfolge durch Stich- oder Schusswaffen. All jene Mythen konnte Prof. Bohnert mit viel Witz entkräften und charmant mit wissenschaftlichen Belegen erklären. Das Auditorium im nahezu vollbesetzte Brose-Hörsaal dankte es ihm.

Den Ausklang auf dem Haus der K.D.St.V. Franco-Raetia zu Würzburg konnte man zur Vertiefung der Thematik nutzen oder, mit Wein und Häppchen gestärkt, zur Knüpfung neuer Kontakte. Gut war’s! Die nächste Veranstaltung ist die tradionelle Semsterabschlusskneipe am 3. Februar 2017. Der Abend war kostenlos. Gerne wird auf das Afrika-Hilfswerk des Cartellverbandes hingewiesen. Spenden gegen Quittung:

IBAN: DE 12 3706 0193 0016 8000 15

BIC: GENODED1PAX