Pressestimmen

Würzburger katholisches Sonntagsblatt

Sonntag, 29.05.2005 – Würzburger katholisches Sonntagsblatt

Die katholische Studentenverbindung Franco-Raetia feiert ihr 100. Stiftungsfest

Leistungsorientiert in christlicher Verantwortung

Festredner Bischof Friedhelm hob die besondere Bedeutung der Theologie im Gespräch der Wissenschaften hervor. Foto: Benedikt VallendarWÜRZBURG Sie blickt auf eine bewegte Geschichte zurück und feierte am Pfingsten ihr 100. Stiftungsfest: die katholische Studentenverbindung Franco-Raetia. Festredner und Ehrengast war Bischof Friedhelm. „In Zeiten des Umbruchs sind katholische Akademiker aufgerufen, ihr Wissen zum Wohle der Gesellschaft einzusetzen“, sagte der Bischof beim Festkommers im großen Saal des Studentenhauses am Exerzierplatz. Leistungsorientierung müsse auch in einer marktwirtschaftlichen Ordnung stets mit Verantwortung für das Gemeinwohl verbunden sein.

Franco-Raetia gehört dem Cartellverband der katholischen deutschen Studentenverbindungen (CV) an. Mit mehr als 30000 Mitgliedern ist der CV der größte katholische Akademikerverband Europas. Zu seinen prominenten Mitgliedern gehört auch Papst Benedikt XVI. Franco-Raetia bekennt sich in ihren Prinzipien zum römisch-katholischen Glauben, zum Bemühen um Bildung und Wahrheitsfindung in der Wissenschaft, zur lebenslangen Freundschaft und zur Wertschätzung der Heimat.

Gegründet wurde Franco-Raetia zur Zeit des deutschen Kaiserreichs als Tochter Verbindung der Münchener Studentenverbindung Rhaetia. Der Ausbau der Würzburger Hochschullandschaft zu Beginn des 20. Jahrhunderts machte die Verbindung beliebt bei katholischen Akademikern und Studenten. Einen hohen Blutzoll zahlte die Verbindung während des Ersten Weltkriegs, als nahezu alle Aktiven fielen.

Während der zwanziger Jahre wurde die Verbindung wieder Dreh- und Angelpunkt für Akademiker. Bekannte Mitglieder aus dieser Zeit sind beispielsweise Bischof Matthias Ehrenfried oder der Gründer des Frankenbundes, Peter Schneider. Ein dunkles Kapitel begann für Franco-Raetia mit der Machtübernahme der Nazis 1933. Schon bald gerieten die Mitglieder ins Visier der Gestapo. Als die NS-Behörden die Verbindung 1935 zwangsweise auflösten, hielten die Bundesbrüder heimlich Kontakt zueinander. Nach dem Zweiten Weltkrieg 1949 wiederbegründet, konnte Franco-Raetia 1957 ihr eigenes Heim in der Sonnenstraße 13 erwerben, das heute Treffpunkt für Geselligkeit, Muse und Gelehrsamkeit ist.

Im Rahmen des Kommerses wurde Professor Dr. Roland Benz (Veitshöchheim) für seine Verdienste um die Verbindung durch Philistersenior Thomas Henn die Ehrenurkunde mit der Ernennung zum Ehrenphilistersenior überreicht. Es ist erst das dritte Mal in ihrer Geschichte, dass Franco-Raetia diese Auszeichnung verleiht. Ehrenbänder wurden an Joachim Bieber (Miltenberg) und Ulrich Hock (Kelkheim) verliehen. Außerdem hatten zum Fest einige Bundesbrüder eine Festschrift erstellt, in der sich auch Artikel namhafter Wissenschaftler finden.

Zeichen der Zeit erkennen

Bei einem Akademischen Festakt im Rahmen der Jubiläumsfeiern hatte der frühere Intendant des Bayerischen Rundfunks, Professor Dr. Albert Scharf, einen Blick auf die Situation vor 100 Jahren geworfen. Vieles, was sich wenige Jahre später mit fürchterlicher Vehemenz an der Oberfläche gezeigt habe, hätte damals bereits im Untergrund rumort, sagte Scharf. Doch die bürgerliche Gesellschaft hätte die Zeichen der Zeit nicht wahrgenommen. „Nur Literaten wie Leonhard Frank oder Max Dauthendey machten in ihren Werken darauf aufmerksam“, sagte Scharf. Kritisch stellte er die Frage an die heutigen Zeitgenossen, ob sie für die Zeichen der Zeit sensibel seien. Mit einem Festgottesdienst in der Hofkirche der Residenz, den Domkapitular Dr. Jürgen Lenssen zelebrierte, wurde auf die 100 Jahre zurückgeschaut und der verstorbenen Bundesbrüder gedacht.

Text: BV

mainpost.de

Dienstag, 17.05.2005 – mainpost.de

Mit 100 Jahren jünger denn je

Altstadt (fcn) Vier Tage lang feierte die Studentenverbindung Franco-Raetia ihr 100. Stiftungsfest. Zu den Höhepunkten des Programms zählten der Akademische Festakt im Toskanasaal der Residenz mit Festredner Prof. Dr. Albert Scharf, dem ehemaligen Intendanten des Bayerischen Rundfunks, und der Festkommers im Studentenhaus mit Festredner Dr. Friedhelm Hofmann, dem neuen Bischof von Würzburg.

Zum Programm gehörten unter anderem auch ein sehr gut besuchter Altherrenconvent, ein Festgottesdienst in der Hofkirche, eine Fahrt der Damen mit dem „Schoppenexpress“ sowie ein Ganztagesausflug nach Miltenberg.

So bunt wie die 100-jährige Geschichte der Studentenverbindung war der Festkommers am Samstagabend. Abordnungen von 19 Gastverbindungen gaben sich in ihren farbenprächtigen Uniformen ein Stelldichein. Die weiteste Anfahrt hatte die Suevia aus Berlin. Senior Mathias Göller erinnerte in seiner Begrüßung an seine Anfangszeit in der Franco-Raetia. „Mich begrüßten freundliche Studenten“, sagte er.

Sofort seien ihm der Zusammenhalt und die Hilfsbereitschaft der Mitglieder aufgefallen. In seiner inzwischen fünfjährigen Zeit bei den Aktiven „habe ich Freunde kennengelernt, die man sein Leben lang nicht mehr aus den Augen verliert“. „Ich danke Dir, Franco-Raetia, Du bist mit 100 Jahren jünger denn je“, betonte Göller. Besonders hob er hervor, dass sich die Studentenverbindung in ihrer historisch sehr bewegten Geschichte immer dem Zeitgeist angepasst habe. Am Ende seiner aktiven Zeit freute er sich darüber, mit Sebastian Grundei und Arne Pfaffelhuber zwei neue „Füchse“ aufnehmen zu ürfen. Insgesamt hat die Franco-Raetia jetzt 280 Mitglieder.

„Ihre Cartell-Verbindung darf auf ein turbulentes Jahrhundert seit ihrer Gründung zurückschauen“, erklärte Bischof Dr. Friedhelm Hofmann. Am Anfang des dritten Jahrtausends stellten sich Fragen, die man vor 100 Jahren noch nicht erkennen konnte. Unter dem Titel „Macht Euch die Erde untertan – theologisch angezeigte Grenzbetrachtungen“ griff er einige Gedanken zum Thema auf.

Vehement wehrte sich der Bischof gegen eine Veröffentlichung des Präsidenten der Max-Planck-Gesellschaft, Hubert Markl, unter der Überschrift „Wir verjagen die Forscher“. Darin heißt es, die Deutschen liebten die Naturwissenschaften nur bis zu dem Punkt, wo sie den Alltag nicht veränderten. Wenn die Gentechnik neue, gefährliche Fragen aufwerfe, zögen die Deutschen den Stillstand vor. „Die Theologie will Forscher nicht ‚verjagen‘, sondern deren Blick auf das Umfassende, Ganze der Schöpfungswirklichkeit ausrichten“, entgegnete Hofmann.

„Diese Rückführung der Einzeldisziplinen in die Gesamtheit ist ein unverzichtbarer Dienst der Theologie an unserer Gesellschaft“, hob er hervor. Der Schöpfungsauftrag bedeute nichts anderes, als alles Gute in der Welt in seiner Eigenart, Größe und Schönheit zu fördern und sich entfalten zu lassen: im Einzelnen und im Ganzen. Doch alles müsse die Rückbindung an den Schöpferwillen Gottes haben.

Text & Foto: mainpost.de