Dienstag, 17.05.2005 - mainpost.de
Mit 100 Jahren jünger denn je
Altstadt (fcn) Vier Tage lang feierte die Studentenverbindung
Franco-Raetia ihr 100. Stiftungsfest. Zu den Höhepunkten des Programms zählten der Akademische Festakt im
Toskanasaal der Residenz mit Festredner Prof. Dr. Albert Scharf, dem ehemaligen Intendanten des Bayerischen Rundfunks,
und der Festkommers im Studentenhaus mit Festredner Dr. Friedhelm Hofmann, dem neuen Bischof von Würzburg.
Zum Programm gehörten unter anderem auch ein sehr gut besuchter Altherrenconvent, ein
Festgottesdienst in der Hofkirche, eine Fahrt der Damen mit dem „Schoppenexpress“ sowie ein Ganztagesausflug
nach Miltenberg.
So bunt wie die 100-jährige Geschichte der Studentenverbindung war der Festkommers am Samstagabend.
Abordnungen von 19 Gastverbindungen gaben sich in ihren farbenprächtigen Uniformen ein Stelldichein. Die weiteste
Anfahrt hatte die Suevia aus Berlin. Senior Mathias Göller erinnerte in seiner Begrüßung an seine
Anfangszeit in der Franco-Raetia. „Mich begrüßten freundliche Studenten“, sagte er.
Sofort seien ihm der Zusammenhalt und die Hilfsbereitschaft der Mitglieder aufgefallen. In seiner
inzwischen fünfjährigen Zeit bei den Aktiven „habe ich Freunde kennengelernt, die man sein Leben lang nicht
mehr aus den Augen verliert“. „Ich danke Dir, Franco-Raetia, Du bist mit 100 Jahren jünger denn je“,
betonte Göller. Besonders hob er hervor, dass sich die Studentenverbindung in ihrer historisch sehr bewegten Geschichte
immer dem Zeitgeist angepasst habe. Am Ende seiner aktiven Zeit freute er sich darüber, mit Sebastian Grundei und Arne
Pfaffelhuber zwei neue „Füchse“ aufnehmen zu ürfen. Insgesamt hat die Franco-Raetia jetzt 280 Mitglieder.
„Ihre Cartell-Verbindung darf auf ein turbulentes Jahrhundert seit ihrer Gründung zurückschauen“,
erklärte Bischof Dr. Friedhelm Hofmann. Am Anfang des dritten Jahrtausends stellten sich Fragen, die man vor 100 Jahren
noch nicht erkennen konnte. Unter dem Titel „Macht Euch die Erde untertan – theologisch angezeigte
Grenzbetrachtungen“ griff er einige Gedanken zum Thema auf.
Vehement wehrte sich der Bischof gegen eine Veröffentlichung des Präsidenten der
Max-Planck-Gesellschaft, Hubert Markl, unter der Überschrift „Wir verjagen die Forscher“. Darin heißt
es, die Deutschen liebten die Naturwissenschaften nur bis zu dem Punkt, wo sie den Alltag nicht veränderten.
Wenn die Gentechnik neue, gefährliche Fragen aufwerfe, zögen die Deutschen den Stillstand vor. „Die Theologie will Forscher nicht 'verjagen',
sondern deren Blick auf das Umfassende, Ganze der Schöpfungswirklichkeit ausrichten“, entgegnete Hofmann.
„Diese Rückführung der Einzeldisziplinen in die Gesamtheit ist ein unverzichtbarer
Dienst der Theologie an unserer Gesellschaft“, hob er hervor. Der Schöpfungsauftrag bedeute nichts anderes, als
alles Gute in der Welt in seiner Eigenart, Größe und Schönheit zu fördern und sich entfalten zu lassen:
im Einzelnen und im Ganzen. Doch alles müsse die Rückbindung an den Schöpferwillen Gottes haben.
Text & Foto: mainpost.de
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